Im Seminar wollen wir uns aus einer soziologischen Perspektive mit den künstlerischen Entwicklungen in den beiden Teilen Deutschlands nach 1945 beschäftigen und dabei den Einfluss untersuchen, den die verschiedenen kulturpolitischen Vorgaben in Ost und West auf die Entstehung jeweils unterschiedlicher künstlerischer Arbeitsweisen und Kunstbegriffe hatten. Während in Westdeutschland scheinbar zwanglos an das Erbe der künstlerischen Moderne angeknüpft wurde – und so ihre Verfolgung und Vernichtung zur Zeit des Nationalsozialismus nur eingeschränkt thematisiert wurde –, spielte das sozialistische Menschenbild in Ostdeutschland die Rolle einen Gegenentwurfs zur nationalsozialistischen Kunst. In beiden Teilen Deutschlands gab es aber viele Wege der Verweigerung und des Abweichens von den leitenden Kunstbegriffen – unter Inanspruchnahme des Gedankens einer Autonomie der Kunst bzw. dem Gedanken ihrer politischen Verantwortung. So gab es zum Beispiel auch im Sozialismus KünstlerInnen, die mit ihrer Orientierung an abstrakten Arbeitsweisen an die Moderne anknüpften oder es gab viele Variationen realistischer figürlicher Arbeitsweisen im Westen.
Einerseits lesen wir Texte, in denen bestimmte damals vorherrschende Kunstbegriffe thematisiert werden, andererseits untersuchen wir anhand einzelner KünstlerInnenbiografien jeweils individuelle Auseinandersetzungen mit diesen Kunstbegriffen.
Für den Erwerb von Creditpunkten ist einerseits die Mitarbeit an einem Referat erforderlich als auch eine zusammenfassende Hausarbeit von ca. 10 Seiten, die in der vorlesungsfreien Zeit geschrieben wird.
Gast im Seminar: Dr. Gerhard Panzer (TU Dresden), am 8. Mai 2015.
Freitags 13 – 15 Uhr, erste Sitzung am 17. April 2015
Lietzenburger Str. 45, Raum 303