Blockseminar: 26. bis 28. Juni im Gutshof Sauen
Auftakt: 12. Juni, 18h, STR 207
Einem aktuellen Diskurs zufolge kann Kunst ein safe space sein, in dem man vor äußeren widrigen Einflüssen wie Krieg, Gewalt oder Ungerechtigkeit geschützt ist. Demgegenüber erscheint eine ältere Tradition, die – spätestens mit Goyas Desastres de la Guerra (1810-1814) – Gewalt, Mord und Totschlag gerade heraufbeschwört und die Kunst zum Austragungsort Ort der Darstellung dieser Grausamkeiten macht. Letztere Tradition wurde u.a. von den künstlerischen Avantgarden wie Expressionismus oder Surrealismus aufgegriffen und weitergeführt; in der zeitgenössischen Kunst spielen beide Traditionen eine gleichberechtigte Rolle. Maggie Nelsons Buch Kunst und Grausamkeit (2022) lässt beide Ansätze aufeinandertreffen und diskutiert ausgewählte Beispiele aus Philosophie und Literatur, Bildender Kunst und Film und versucht sie auf die aktuelle Situation anzuwenden: Wie verhalten sich die beiden Diskurse zueinander? Kann man die Opposition zwischen ihnen auflösen oder bleibt sie bis heute erhalten? Und wie verhalten sich die Künste zu den Grausamkeiten der aktuellen Kriege und dem gegenwärtigen vibe shift in der Weltpolitik, der ebenfalls als neue Haltung zur Grausamkeit verkauft wird?
Prof. Dr. Kathrin Busch
SoSe 2026