Designgeschichte seit 1945

Design gilt als modernes Phänomen, das erst durch die Industrialisierung in Masse möglich, aber auch ebenso nötig wurde. Es scheint die moderne Welt praktikabel, geordnet und verständlich zu machen und gilt doch in ihren Anfängen als die Umsetzung avantgardistischer künstlerischer Utopien in das alltägliche Leben. Blicken wir uns um, können wir uns fragen, was an unserer Welt eigentlich nicht gestaltet ist – doch wird das wenigste davon explizit als ‚Design‘ bezeichnet.

War einst das Design des Bauhaus mit der Agenda der praktischen Verschönerung der Lebensumgebung des Menschen angetreten und wurde in der Nachkriegszeit insbesondere von Vertretern der HfG Ulm für die Massenproduktion tauglich gemacht, kommen ab den 1960er Jahren kritische Stimmen gegenüber der ‚Errungenschaft’ Funktionalität auf. Schließlich entwickeln sich Gegenbewegungen, wie das ‚Anti-Design‘ bzw. ‚Radical-Design‘ von Studio Alchimia und Memphis, die nüchterne Funktionalität verweigern und doch ‚funktionieren‘. Ikea wiederum greift all das auf und macht es für den gemeinen Haushalt tauglich und erschwinglich. Ist das Billy-Regal also ein besonders gelungenes Design?

Wie konnte das in den USA entwickelte Konzept des ‚Stylings’ solch eine Karriere machen? 

Wieso scheinen manche Styles sich ewig zu erhalten, während andere schnell nicht mehr den Ton ihrer Zeit treffen und als unzeitgemäß für etwas Vergangenes zu stehen beginnen –, um dann doch, als Zitat oder in leichter Variation, in plötzlicher Aktualität die Erscheinungsform unserer Welt der Dinge zu dominieren?

Warum brauchte es – aus gestalterischer Perspektive – Punk, wenn es doch schon Rock`n`Roll gab, warum Techno, wenn es doch schon Punk gab? Was ist daran überhaupt ‚Design‘?

Werden herkömmlicher Materialqualitäten, einst eine der Hauptkomponenten des Designs und nun in vielen Fällen als antiquiert wahrgenommen, in einer zunehmend digitalisierten Welt als nicht digitalisierbar zu neuer Bedeutung gelangen?

Vor dem Hintergrund kulturgeschichtlicher Entwicklungen und mittels Bild und Text untersuchen wir das Design der Nachkriegszeit bis in die Gegenwart unter jeweils spezifischen Fragestellungen und in ihrem Kontext. Mit Blick auf aktuell pressierende Fragen in Gesellschaft und Umwelt versuchen wir ihre Entwicklungsströmungen, Eigenlogiken und Auswirkungen, ob intendiert oder unvorhergesehen, zu begreifen.

Dozentin: Marthe Krüger

Donnerstags, 14-17 Uhr

Raum: STR 207