Gestaltung und serielle Produktion sind keineswegs Erfindungen der Moderne, aber erst seit etwa Mitte des 19. Jahrhunderts, mit der sich entwickelnden Industrialisierung, ist die Rede von Design. Design (von lat. designare) meint das bewusste Entwerfen und Schaffen von Dingen (und damit auch Strukturen), die immer größeren Bevölkerungsgruppen zur Verfügung stehen.
Technische Innovationen und industrielle Massenproduktion verändern die Objekte und ihre Bedeutungen. Das zeigt sich in den Debatten und Richtungsstreitigkeiten der Designer. Die neuen Produktionsbedingungen ließ den Vertretern der Arts-and-Crafts-Bewegung die mittelalterliche Bauhütte in romantischem Licht erscheinen, der Jugendstil zelebrierte Naturformen. Im Bauhaus versuchte man die Möglichkeiten technischer Neuerungen mit gesellschaftlichem Fortschritt zu verbinden und geriet mit seinen diversen und radikalen Ansätzen dabei manchmal ins Esoterische. Michael Thonet dachte mit seinen selbst zusammensetzbaren Bugholzmöbeln das Ikea-Modell vor und produzierte dabei einen bis heute präsenten ‚Designklassiker‘. Die Shaker entwarfen früh einen modern anmutenden Minimalismus, der allerdings religiös motiviert war. Le Corbusier und weitere Vertreter des Neuen Bauens wiederum dachten formalästhetisch ähnlich, waren aber von sozialutopischen stadtplanerischen Ideen geleitet. Mit dem Interesse an und dem Exotismus von nichteuropäischer Kulturen wurde die Norm des europäischen Formenkanons hinterfragt, erweitert – und reproduziert. Mit Adolf Loos` Ablehnung des Ornaments wurde eine Kritik am Historismus formuliert, der in der Tat in der Massenproduktion der Gründerzeit leerlief. Und dennoch lassen sich genau dort bereits Züge der Postmoderne feststellen…
Anhand von praktischen Beispielen und Texten verschaffen wir uns einen Überblick über Denkweisen und Diskurse des Designs von ca. 1850 bis 1945 und erkunden die jeweiligen Relevanz für unsere Gegenwart.
Donnerstags, 14-17 Uhr || Raum: STR 207